Schadstoffuntersuchung im Kinderzimmer

Ergebnisse auf einen Blick

  • Raumluft ohne relevante Auffälligkeiten bei den untersuchten flüchtigen organischen Verbindungen (VOC)
  • Im Hausstaub einzelne Auffälligkeiten unter anderem bei Flammschutzmitteln, Weichmachern und Pestiziden
  • Teppiche und Blackout-Vorhang als mögliche Quellen in die weitere Prüfung einbezogen
  • Bei einem Schurwollteppich Behandlung mit einem Mottenschutzmittel nachvollzogen
  • Schurwollteppich, Spielteppich und Blackout-Vorhang anschließend aus dem Kinderzimmer entfernt

Projektdaten

UNTERSUCHUNG
Schadstoffuntersuchung
OBJEKT
Kinderzimmer im Reihenmittelhaus
BAUJAHR
2016
ORT
München
ANLASS
Vorsorge
METHODEN
Raumluft- und Hausstaubanalytik

Die Ausgangssituation

Die Eltern eines etwa 2-jährigen Kindes hatten bei der Einrichtung des Kinderzimmers bereits bewusst auf die verwendeten Materialien geachtet. Der Raum war mit Parkett, überwiegend Vollholzmöbeln sowie verschiedenen Teppichen und Textilien ausgestattet. Gesundheitliche Beschwerden oder einen konkreten Verdacht auf eine bestimmte Schadstoffquelle gab es nicht. Die Eltern hatten sich jedoch intensiv mit Schadstoffen in Innenräumen beschäftigt und wollten wissen, ob trotz der bewussten Einrichtung relevante Schadstoffe im Kinderzimmer vorhanden sind. Die Untersuchung erfolgte daher rein vorsorglich.

Die Fragestellung

Im Vorgespräch wurden zunächst die verschiedenen Möglichkeiten einer Schadstoffuntersuchung und deren Aussagekraft besprochen. Gemeinsam mit den Eltern wurde anschließend festgelegt, welche Bereiche untersucht werden sollten und wie weit die Abklärung gehen soll. Entscheidend war dabei auch, welche Fragen beantwortet werden müssen, damit die Familie die Situation für sich ausreichend einschätzen kann.

Für die Untersuchung wurden daraus folgende Fragestellungen festgelegt:

  • Sind in der Raumluft relevante flüchtige organische Verbindungen vorhanden?
  • Lassen sich im Hausstaub schwerer flüchtige bzw. staubgebundene Schadstoffe nachweisen?
  • Ergeben sich Hinweise auf bislang unerkannte Schadstoffquellen?
  • Besteht auf Grundlage der Ergebnisse ein dringender Handlungsbedarf?

Die Untersuchungsstrategie

Zur Beantwortung der festgelegten Fragestellungen wurde eine Kombination aus Raumluft- und Hausstaubanalytik gewählt. Mit einer aktiven Raumluftprobenahme auf flüchtige organische Verbindungen (VOC) sollte die aktuelle Situation in der Raumluft untersucht werden. Ergänzend wurde der Hausstaub auf verschiedene schwerer flüchtige bzw. staubgebundene Schadstoffgruppen analysiert. Die Hausstaubuntersuchung war insbesondere aufgrund des Alters des Kindes relevant, da Kleinkinder einen großen Teil ihrer Zeit bodennah verbringen und dabei regelmäßig mit Hausstaub in Kontakt kommen.

Fotos und ein Grundriss des Kinderzimmers wurden vorab zur weiteren Einschätzung der Raumsituation und der vorhandenen Materialien herangezogen.

Die Untersuchung vor Ort

DDie Familie erhielt vorab genaue Hinweise zur Vorbereitung der Probenahme. Für die Hausstaubuntersuchung wurde nach einer gründlichen Reinigung über zehn Tage ein frisches Staubdepot aus der normalen Nutzung des Kinderzimmers aufgebaut. Auch für die Raumluftprobenahme wurden definierte Bedingungen vorbereitet.

Beim Ortstermin wurden anschließend:

  • die Raumluft aktiv auf VOC beprobt,
  • Hausstaub aus den üblichen Aufenthalts- und Nutzungsbereichen entnommen,
  • die Raumsituation sowie die vorhandenen Materialien und Einrichtungsgegenstände dokumentiert und
  • der Raum zusätzlich auf weitere erkennbare baubiologische Auffälligkeiten betrachtet.

Die Dokumentation der Raumsituation und der verwendeten Materialien dient später als wichtige Grundlage für die Einordnung der Analyseergebnisse. Bei auffälligen Befunden kann so gezielt geprüft werden, welche Materialien oder Einrichtungsgegenstände als mögliche Quellen infrage kommen.

Ergebnisse und Einordnung

Die Untersuchung der Raumluft ergab keine relevanten Auffälligkeiten bei den untersuchten flüchtigen organischen Verbindungen. Die Laborbewertung zeigte keine Überschreitung von Richtwerten einzelner Verbindungen; der TVOC wurde als hygienisch unbedenklich eingestuft.

Im Hausstaub zeigten sich dagegen einzelne Auffälligkeiten unter anderem aus den untersuchten Bereichen Flammschutzmittel, Weichmacher und Pestizide. Zur Einordnung der Befunde wurden die Ergebnisse mit den im Kinderzimmer vorhandenen Materialien und Einrichtungsgegenständen abgeglichen. Als mögliche Quellen kamen unter anderem verschiedene Teppiche und der Blackout-Vorhang infrage.

Die Familie recherchierte daraufhin weiter zu den betreffenden Produkten und holte, soweit möglich, zusätzliche Hersteller- und Produktinformationen ein. Bei einem Schurwollteppich konnte dabei nachvollzogen werden, dass dieser mit einem Mottenschutzmittel behandelt worden war.

Auf Grundlage der Ergebnisse und der weiteren Recherche entschied sich die Familie, den Schurwollteppich, den Spielteppich und den Blackout-Vorhang aus dem Kinderzimmer zu entfernen. Zusätzlich wurde empfohlen, Hausstaub regelmäßig durch Staubsaugen und feuchtes Wischen zu reduzieren. Für zukünftige Möbel, Textilien und andere Einrichtungsgegenstände wurden Hinweise zur Material- und Produktauswahl gegeben.

Eine Kontrollmessung nach Entfernung der Materialien erfolgte nicht. Ob und in welchem Umfang sich die nachgewiesenen Stoffe dadurch reduziert haben, wurde daher nicht messtechnisch überprüft.

Fazit

Der Fall zeigt, dass eine bewusst gewählte Einrichtung nicht automatisch bedeutet, dass sämtliche relevanten Schadstoffe ausgeschlossen werden können. Entscheidend ist deshalb eine Untersuchungsstrategie, die zur tatsächlichen Fragestellung passt. In diesem Fall lieferte die Kombination aus Raumluft- und Hausstaubanalytik zunächst einen breiten Überblick. Durch die anschließende Betrachtung der Materialien konnten mögliche Quellen eingegrenzt und konkrete Handlungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

Schadstoffe in Wohnräumen untersuchen lassen

Nicht jede Fragestellung benötigt die gleiche Analytik. Im ersten Schritt wird deshalb geklärt, was Sie wissen möchten und welche Untersuchungsstrategie dafür sinnvoll ist.