Schadstoffe im Haus: Welche Schadstoffe sind je nach Baujahr typisch?
Wer ein Haus kaufen oder sanieren möchte, beschäftigt sich meist zuerst mit der Bausubstanz. Ist das Dach in Ordnung? Gibt es Feuchtigkeitsschäden? Muss die Heizung erneuert werden?
Die Frage nach möglichen Schadstoffen wird dagegen häufig erst später gestellt. Dabei können bestimmte Baustoffe nicht nur gesundheitlich relevant sein, sondern auch Einfluss auf geplante Umbauten, Sanierungen und deren Kosten haben.
Ob Schadstoffe in einem Gebäude vorhanden sind, lässt sich allein anhand des Baujahrs nicht beurteilen. Entscheidend sind die tatsächlich verbauten Materialien sowie spätere Umbauten und Sanierungen.
Dennoch wurden bestimmte Baustoffe über Jahrzehnte hinweg besonders häufig eingesetzt. Deshalb lassen sich einzelnen Bauperioden typische Schadstoffthemen zuordnen.
Häuser vor 1950: Naturbaustoffe, Teerprodukte und Schwermetalle
Viele Altbauten dieser Zeit bestehen überwiegend aus Ziegeln, Holz, Kalk oder Lehm. Synthetische Baustoffe spielten noch eine untergeordnete Rolle. Schadstofffrei sind diese Gebäude deshalb jedoch nicht automatisch.
Häufig anzutreffen sind teerhaltige Produkte, die früher beispielsweise zur Abdichtung von Kellern oder Fundamenten verwendet wurden. Auch alte Parkett- und Holzbodenkleber basierten häufig auf Teerprodukten. Diese können polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, von denen einzelne Vertreter als krebserregend eingestuft werden.
Auch Schwermetalle wie Blei oder Arsen wurden früher in Farben, Lacken und Beschichtungen eingesetzt. Alte Wasserleitungen können zudem noch aus Blei bestehen.
Bei Sanierungen lohnt sich außerdem ein Blick auf Deckenschüttungen und Auffüllungen. Je nach Herkunft können diese beispielsweise Schlacke oder andere belastete Materialien enthalten.
Häuser von 1950 bis 1970: Die Zeit neuer Baustoffe
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in kurzer Zeit sehr viel Wohnraum geschaffen. Gleichzeitig kamen zahlreiche neue Baustoffe auf den Markt, die damals als modern und technisch besonders vorteilhaft galten.
Am bekanntesten ist Asbest. Aufgrund seiner Hitzebeständigkeit und Langlebigkeit wurde er in einer Vielzahl von Bauprodukten eingesetzt. Dazu gehören unter anderem Dach- und Fassadenplatten, Rohrisolierungen, Bodenbeläge, Kleber und Brandschutzmaterialien.
Auch PCB-haltige Materialien können in Gebäuden dieser Zeit vorkommen. Darüber hinaus wurden Holzschutzmittel, teerhaltige Kleber und verschiedene Kunststoffe zunehmend eingesetzt.
Viele dieser Produkte galten damals als hochwertige und langlebige Lösung. Die gesundheitliche Relevanz einiger Stoffe wurde erst Jahre später erkannt.
Häuser von 1970 bis 1995: Holzschutzmittel, Dämmstoffe und Formaldehyd
In den 1970er- und 1980er-Jahren gewannen Themen wie Energieeinsparung, Wärmedämmung und Innenausbau zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig wurden zahlreiche neue Produkte im Innenraum eingesetzt.
In vielen Gebäuden dieser Zeit finden sich Holzschutzmittel mit Wirkstoffen wie PCP oder Lindan. Sie wurden beispielsweise auf Dachstühlen, Holzdecken, Wandverkleidungen oder anderen Holzbauteilen verwendet.
Auch Formaldehyd spielte eine wichtige Rolle. Vor allem Spanplatten und andere Holzwerkstoffe konnten teilweise erhebliche Mengen an Formaldehyd freisetzen.
Hinzu kommen ältere künstliche Mineralfasern (KMF), die häufig zur Dämmung verwendet wurden. Im Gegensatz zu modernen Mineralfasern erfüllen ältere Produkte nicht immer die heutigen Anforderungen an die Biolöslichkeit.
Asbest blieb ebenfalls bis Anfang der 1990er-Jahre in zahlreichen Bauprodukten präsent und kann heute noch in unterschiedlichsten Bauteilen vorkommen.
Häuser von 1995 bis 2000: Übergangsphase
Mit strengeren gesetzlichen Vorgaben verschwanden viele problematische Baustoffe zunehmend vom Markt. Die Schadstoffsituation entspannte sich dadurch deutlich.
Dennoch können auch Gebäude dieser Zeit Belastungen aufweisen. Häufig stehen dabei Formaldehyd, Lösemittel oder flüchtige organische Verbindungen (VOC) im Vordergrund.
Diese Stoffe stammen beispielsweise aus Farben, Lacken, Klebern, Bodenbelägen oder Möbeln und können die Raumluft beeinflussen.
Häuser ab 2000: Andere Schadstoffe, andere Fragestellungen
Neuere Gebäude weisen in der Regel andere Schadstoffthemen auf als viele ältere Häuser.
Moderne Gebäude werden deutlich luftdichter gebaut als früher. Dadurch können Emissionen aus Bauprodukten, Bodenbelägen, Möbeln oder Innenausbaumaterialien länger in der Raumluft verbleiben.
Zu den häufig diskutierten Themen gehören heute VOC, Weichmacher, Biozide oder Flammschutzmittel. Auch Feuchtigkeit und Schimmel können unabhängig vom Baujahr relevant sein.
Schadstoffe im Haus nach Baujahr – Überblick
Die folgende Übersicht fasst typische Schadstoffthemen der einzelnen Baujahre noch einmal zusammen.
| Baujahr | Häufig anzutreffende Schadstoffe |
|---|
| vor 1950 | PAK (Teerprodukte), Schwermetalle (Blei, Arsen), alte Holzschutzmittel |
| 1950–1970 | PAK, Asbest, PCB, Holzschutzmittel, Weichmacher |
| 1970–1995 | Asbest, künstliche Mineralfasern (KMF), Holzschutzmittel (Lindan, PCP) , Formaldehyd |
| 1995–2000 | Formaldehyd, VOC (flüchtige organische Verbindungen), Lösemittel |
| ab 2000 | VOC, Weichmacher, Emissionen aus Bauprodukten und Innenausbaumaterialien |
Wichtig: Die Übersicht dient lediglich der Orientierung. Ob tatsächlich Schadstoffe vorhanden sind, hängt von den verbauten Materialien sowie späteren Umbauten und Sanierungen ab.
Wo können sich Schadstoffe im Haus befinden?
Viele Schadstoffe sind bei einer Besichtigung nicht unmittelbar erkennbar.
Typische Fundorte können beispielsweise sein:
- Dach- und Fassadenplatten
- Bodenbeläge und Parkettkleber
- Dämmstoffe
- Holzverkleidungen und Dachstühle
- Spanplatten und Holzwerkstoffe
- Fugendichtungen
- Farben und Beschichtungen
- Kellerabdichtungen
Welche Materialien tatsächlich verbaut wurden, lässt sich häufig erst durch eine genauere Betrachtung der Immobilie beurteilen.
Bedeutet ein Schadstoff automatisch ein Problem?
Nein.
Nicht jeder Schadstoff führt automatisch zu einer gesundheitlichen Belastung oder macht eine Sanierung erforderlich.
Entscheidend sind unter anderem die Art des Materials, dessen Zustand, die Nutzung des Gebäudes und die Frage, ob Schadstoffe überhaupt freigesetzt werden können.
Ein fest gebundener Baustoff ist anders zu bewerten als ein Material, das beschädigt ist oder im Rahmen einer Sanierung bearbeitet werden soll.
Deshalb ist die Frage meist nicht nur, ob ein Schadstoff vorhanden ist, sondern auch, wo er sich befindet und ob von ihm tatsächlich eine Belastung ausgeht.
Fazit
Bestimmte Schadstoffe treten in bestimmten Baujahren deutlich häufiger auf als in anderen. Das Baujahr ermöglicht deshalb eine erste Einordnung typischer Schadstoffthemen.
Ob tatsächlich eine Belastung vorliegt, hängt jedoch immer von den verbauten Materialien und der individuellen Situation des Gebäudes ab.
Gerade vor einem Hauskauf oder einer Sanierung kann es sinnvoll sein, mögliche Schadstoffquellen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu bewerten.




